Der nächste Schritt in eine neue Mobilität

13. Juni 2006

Frankreich besitzt den prestigeträchtigen TGV. Funktional schnell werden die Hauptstädte Frankreichs mit der Bahn verbunden. So schnell und gut frequentiert, dass auf diesen Linien Inlandflüge wenig attraktiv sind. Weitere Strecken sind in Ausführung oder Planung und bald wird auch Basel Anschluss finden ans nachbarliche Paris. In dreieinhalb Stunden wird die Metropole Frankreichs von Basel aus erreichbar sein, drei bis vier Mal pro Tag. Sogar unsere S3 erhält einen Anschluss ans französische Eisenbahnnetz und als Umsteigeknoten den neuen TGV-Bahnhof vor den Toren von Belfort. Im Juni 2007 soll es bereits so weit sein!
Wir in der Schweiz sind am Bau etlicher Basisstrecken: am Gotthard oder am Ceneri zum Beispiel. Es wird intensiv gearbeitet. Mit bis zu 250 km pro Stunde (im Durchschnitt 140 km/h) sollen sodann die Züge von Norden nach Süden und umgekehrt unsere Alpen durchqueren. Eine ganze Generation lang, also 25 Jahre, betragen Planungs- und Ausführungszeit. Doch bereits steht der nächste Schritt in eine neue Mobilität vor der Tür. Die vor Jahren noch belächelte Swissmetro wird konkret. Was für eine Zukunft hat die Swissmetro? Bei der Swissmetro soll die Bahn im Einbahntunnel von kleinem Durchmesser unter reduziertem Luftdruck und mit einem magnetischen Trag- und Führungssystem (ähnlich einer Flaschenpost) in bis zu 50 Meter Tiefe Personen transportieren. Im Vergleich zum Gotthardbasistunnel kann die Geschwindigkeit verdoppelt werden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt rund 500 km pro Stunde (im Durchschnitt 372 km/h). Abfahrten sind alle sechs Minuten möglich. Und so können vier- bis sechstausend Passagiere pro Stunde in eine Richtung transportiert werden. Und das Beste: Dieses System verbraucht nur die Hälfte an Energie herkömmlicher Bahnsysteme! Die Sicherheit wird bei der Swissmetro gross geschrieben. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Verkehrsverbindung ist witterungsunabhängig, ein Entgleisen ist im engen Tunnel nicht möglich, eine Kollision ist auch nicht möglich, da nur Einbahnstrecken realisiert werden. Da die Vorteile auf der Hand liegen, hat die Swissmetro bereits Europa im Visier. Hier wird sie zur Eurometro. Es werden wirtschaftliche Verbindungen untersucht; in Ergänzung zum heutigen Zugnetz. Da eine schnelle Ost-West-Verbindung fehlt, wird die Strecke vom französischen Lyon über Genf- Zürich nach München- Wien zurzeit näher betrachtet. Lyon wäre somit von Wien nur noch 2 Std. 15 Minuten entfernt (heute 15 Std.).
Rechnet sich eine solche Bahn? Für die oben genannte Eurostrecke mit einer Länge von rund 1350km werden Kosten von rund 63 Milliarden Franken veranschlagt. Im Vergleich: Unser Gotthard-Basistunnel kostet allein auf einer Länge von 57km 8 Milliarden Franken! Die Tarife werden jenen der heutigen Bahnpreise entsprechen. Eine Reise mit der Eurometro kommt also nicht teurer als mit dem heutigen TGV. Nächstens soll eine Teststrecke realisiert werden. Diese könnte auf der Achse Basel- Zürich oder Genf- Lausanne liegen. Später soll die Teststrecke zur Pilotstrecke ausgebaut und auf 100km verlängert werden, um die zwei Städte zu verbinden. Die Inbetriebnahme der Pilotstrecke kann bereits in 20 Jahren Realität werden.
Das weitere Vorgehen sieht wie folgt aus: Auswahl der Pilot- bzw. Teststrecke, Einreichen eines Konzessionsgesuches beim Bund sowie industrielle Entwicklung des Transportsystems. Die Zukunft hat wiederum gestern begonnen. Beim Gotthardbau wie bei der Eurometro. Dies sind ganz klar Bauwerke für die nächste Generation. Doch hätten unsere Grossväter nicht den Mut aufgebracht, unsere Mobilität weiterzuentwickeln, würden wir noch heute mit der Postkutsche über den Gotthard fahren.

Walter Jermann, Nationalrat, CVP Dittingen BL,
Mitglied der nationalrätlichen Verkehrskommission und VR-Mitglied der Swissmetro AG
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