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Ein Birchermüesli
Unser schweizerisches Bildungssystem ist ein Birchermüesli
2. Februar 2006
Unser schweizerisches Bildungssystem ist ein Birchermüesli. Ein buntes Durcheinander. Zum Birchermüesli gibt es jedoch einen grossen Unterschied: Unser Bildungssystem ist weder bekömmlich noch gut verdaulich. Einer Familie mit schulpflichtigen Kindern ist zumindest dringend abzuraten, von einem Kanton in den andern zu zügeln! Wie sieht die bildungspolitische Zukunft aus?
Auf Ebene der Fachhochschulen hat eine Konzentration stattgefunden. Auf Druck vom Bund. Und nicht aus Einsicht der Kantone. Auf den jeweiligen Unter- und Oberstufen in den Kantonen findet man jedoch weiterhin ein Birchermüesli. Wird in einem (Deutschschweizer) Kanton das Frühfranzösisch eingeführt, so setzt ein Nachbarkanton auf Frühenglisch. Die einen Kantone schwören auf das System 5 Unter- und 4 Oberstufen, in anderen Kantonen ist das System 6 Unter- und 3 Oberstufen Praxis. Der Unterschiede gibts viele. An Originalität, wie man sich in bildungspolitischer Manier möglichst von den anderen Kantonen abheben kann, fehlt es bei weitem nicht. Im Gegenteil. Dazu kommen Experimentierfelder zuhauf. Da wird experimentiert und ausprobiert, entworfen und verworfen. Kaum ist ein Bildungssystem umgesetzt, folgt die Revision.
Dies alles geschieht auf Kosten unserer Kinder. Auf Kosten der Familien, zumindest jener, die den Schulstandort wechseln müssen, und auf Kosten unserer Lehrerinnen und Lehrer. Zahlen tun wir dies alle mit unseren Steuern. In der einen Gemeinde werden für Millionen neue Schulzimmer gebaut. In der Nachbargemeinde werden dadurch welche leer. Fünf Jahre später ist dann wieder alles anders. Kindergärten werden heute dezentral in den Quartieren gebaut, obwohl in den Erziehungsdirektionen die Basisstufe vorbereitet und diskutiert wird. In der Basisstufe sollen die Kindergärten zentral zusammen mit den beiden ersten Primarschulklassen geführt werden. Dass dabei Millionen Franken an Steuergeldern verschwendet werden, wird weder zur Kenntnis genommen noch diskutiert. Dagegen werden Sprüche geklopft wie «Bildung sei unser höchstes Gut». Von Kostenplanung und Kostenoptimierung haben da etliche wohl noch nie etwas gehört.
Denn mit einer klaren Kostenplanung käme man rasch auf ein einheitliches schweizerisches Bildungssystem. Ein Bildungssystem mit Synergien. Zum Beispiel überall mit den gleichen Unterlagen zu arbeiten. Und da gäbe es einen einheitlichen Entscheid über Frühfranzösisch oder Frühenglisch oder Frühchinesisch. Die Lehrer könnten sich wieder auf Inhalte konzentrieren und unsere Schüler aufs Lernen. Und Familien könnten in der Deutschschweiz von einem Kanton in den andern zügeln. Ohne Verlust eines Schuljahres. Birchermüesli gehört auf den Menüplan und nicht in die schweizerischen Schulstuben.
Da lobe ich mir die internationalen Schulen. Weltweit mit dem gleichen Programm, weltweit von hoher Qualität. Ein Lehrerkollege meinte kürzlich von unserem schweizerischen Bildungssystem: Es wird nur noch umgepflügt. Man lässt dem Samen keine Zeit, zu wachsen und heranzureifen, schon wird der Acker wieder neu aufgebrochen. Es ist ganz klar: Der Bund muss das Heft wieder in die Hand nehmen und eine Vereinheitlichung durchsetzen. Mit dem Sommerschulbeginn wurde vor Jahren ein Schritt in die richtige Richtung getan. Weitere Schritte müssen dringend folgen. |
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