|
Pflegeproblem Schweiz?
24. August 2004
In einer Debatte der Pro Senectute heisst es klar: Die Schweiz hat in steigendem Mass ein Pflegeproblem. Auf individueller als auch auf sozialer Ebene würden Pflegeleistungen verweigert: Frauen gebären weniger Kinder. Unsere Gesellschaft ist auch ganz allgemein weniger bereit, unbezahlte Pflegeleistungen zu erbringen. Die Männer sind in diesem Bericht nicht einmal erwähnt. Stehen diese doch allzuoft abseits; für ihren Beruf und ihre Karriere.
Für Kinder fehlen Betreuungs- und Pflegeplätze und in Kranken- und Pflegeheimen besteht vielerorts ein Pflegenotstand. Rechnet man die Pflegeproblematik, die allgemeine Pflegeverweigerung und die Zahl der Singlehaushalte mit der demografischen Entwicklung (Überalterung) in der Schweiz hoch, so wird deutlich, dass hier gewaltige Aufgaben auf uns zukommen.
Die traditionellen Familienstrukturen sind am Verschwinden. Es bedarf neuer Formen und Instrumente. Über ein solches Instrument wird am 26. September 2004 an der Urne entschieden: über den Mutterschaftsurlaub.
Die Rahmenbedingungen für den «Familien»-Standort Schweiz sind ganz klar zu verbessern. Zum geplanten Mutterschaftsurlaub kann ich gerade auch für das Gewerbe klar und deutlich ein Ja empfehlen; denn:
- die Finanzierung ist über die EO vernünftig geregelt und gesichert,
- die EO ist ein bestehendes Instrument, welches bisher wehrpflichtigen Männern vorbehalten war, und dieses Instrument wird frauen- und familienfreundlich ergänzt,
- die Arbeitgeber werden entlastet, da die Kosten paritätisch von Arbeitnehmern und Arbeitgebern hälftig getragen werden,
- selbstständig erwerbende Frauen sind ebenfalls bezugsberechtigt,
- der Mutterschaftsurlaub ist ein weiterer Pfeiler des Solidaritätsvertrages zwischen den Generationen. Wie die AHV für ältere Personen, stellt diese Ausgleichszahlung eine grosse Erleichterung für junge Frauen und Familien dar,
- dazu kommt die Entlastung jener Firmen, die einen hohen Frauenanteil haben und heute eine private Versicherungslösung suchen müssen,
- die Regelung gilt für die ganze Schweiz und kommt einem Wildwuchs an Bürokratie durch verschiedene kantonale Lösungen zuvor.
Für mich ist eines ganz klar: Zum Solidaritätsvertrag zwischen den Generationen gehören heute auch junge Mütter, unabhängig, welche Familienform diese auch wählen. Die Vorlage ist gewerbefreundlich, weil diese auf bestehenden Strukturen aufbaut. Dadurch entsteht kein zusätzlicher Papierkrieg für die KMU. Die Kosten werden hälftig von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen. Wie für die Ersatzabgabe beim Militärdienst zahlen alle solidarisch mit: beim Militärdienst für die Sicherheit unseres Landes, beim Mutterschaftsurlaub für die Zukunft der Schweiz.
Wenn wir gemäss dem Pro-Senectute-Thesenpapier auch in einer pflegeverweigernden Gesellschaft leben, so erleichtern wir die Lebensumstände mit einem Ja zur Mutterschaftsversicherung wenigstens jenen ganz klar, die an der Zukunft der Schweiz mitbauen. Das können wir uns in der vorgeschlagenen Form in der Schweiz leisten. Das muss uns unsere Zukunft und müssen uns unsere Kinder und Grosskinder wert sein.
Der Respekt unter den Generationen kann nicht verordnet werden. Dieser ist zu leben. Der Aspekt Solidarität ist jedoch auf gesetzlicher Ebene zu regeln. Ergänzt mit der Mutterschaftsversicherung, ist dem Generationenvertrag wohlweislich zuzustimmen. Gerade im bevorstehenden Spannungsfeld der Überalterung unserer Gesellschaft ist und wird die Solidarität zwischen den Jungen und älteren Menschen ein zentraler Punkt werden. Mit einem deutlichen Ja zum Mutterschaftsurlaub wird der Generationenvertrag konsequent fortgeschrieben. Als Gewerbler und CVP-Nationalrat stehe ich ganz klar hinter der Vorlage: Ein Ja zum Mutterschaftsurlaub ist gerade auch ein weiteres Ja zum Prinzip Solidarität unter den Generationen. |
|