Nordwestschweiz zu diskret

Basellandschaftliche Zeitung vom 25. November 2006

Verkehrsexperten
Den Individualverkehr verteuern, den Güterverkehr umlagern

Der Verkehr auf Schiene, Strasse, Fluss und in der Luft nimmt laufend zu. Deshalb verlangen Vertreter dieser Verkehrsträger mehr Geld für die notwendigen Infrastrukturen.

Basel sei zwar eine Verkehrsdrehscheibe und trotzdem würden gewisse Kreise in der Region den Verkehr verteufeln, sagte der Baselbieter CVP-Nationalrat Walter Jermann an einer Podiumsveranstaltung in Basel. Er warf den Regierungen von Basel-Stadt, Baselland, Solothurn und Aargau vor, in Bern zu wenig Druck zu machen, um wichtige Anliegen durchzubringen. Der Wisenbergtunnel lasse grüssen. Bei einem Besuch der nationalrätlichen Verkehrskommission im Rheinhafen habe er zudem festgestellt, dass «viele Politiker in Bern gar nicht wissen, wie wichtig die Schifffahrt für die Region und die Schweiz ist».
An der Veranstaltung konnten Vertreter der jeweiligen Verkehrsträger ihre Forderungen an die Verkehrspolitik formulieren. Für den Basler Rheinschifffahrtsdirektor Hans-Peter Hadorn ist störend, dass auf der Bahn transportierte Container von Rotterdam nach Basel subventioniert werden, die Container auf den Schiffen jedoch nicht. Der Rhein und die Schweizer Häfen hätten im Gegensatz zur Schiene und zur Strasse noch Platzreserven.

Regierungennicht positioniert
Ulrich Landolt, Leiter Regionalverkehr Nordwestschweiz der SBB, wies darauf hin, dass zwei Drittel des Transitgüterverkehrs durch die Schweiz auf der Schiene erfolgt. Er forderte die Politiker auf, den Verfassungsauftrag umzusetzen und den Güterverkehr auf die Schiene umzulagern. «Wir wollen aus der Neat keine Investitionsruine machen.» Beim Personenverkehr gehe der Ausbau im In- und Ausland weiter. Dazu brauche es aber auch die notwendigen Finanzen.
Nils Planzer vom gleichnamigen Speditionsunternehmen warf den Regierungen in beiden Basel vor, sie würden sich bezüglich der Infrastrukturbauten für den Verkehr nicht positionieren. Die Einnahmen aus der LSVA würden nicht investiert, sondern blieben auf den Konten liegen. Die vielen Staus auf der Strasse würden viel Geld kosten. «Wir brauchen hier weniger Workshops und Sitzungen, dafür mehr Macher», sagte Planzer. Der Güterverkehr müsse privatisiert werden, um den Wettbewerb anzukurbeln. Er verlangte auch eine «Verteuerung der Mobilität». Der Individualverkehr sei zu billig, sagte er. Die 3,5 Millionen in der Schweiz registrierten Personenwagen würden die Strassen verstopfen, weshalb (seine) Lastwagen im Stau stünden.

Bundesstrasse bis Delsberg
Flughafendirektor Jürg Rämi wies auf die starke Steigerung der Passagierzahlen auf dem EuroAirport (EAP) hin. In diesem Jahr würden voraussichtlich vier Millionen Personen abgefertigt. Auch die Fracht verzeichne eine Zunahme, wobei die Infrastrukturen auf dem Flughafen nicht mehr den Bedürfnissen der Kunden entsprächen. Der Flughafen brauche dringend Gelder für einen Schienenanschluss. Wettbewerbsverzerrend seien die hohen Sicherheitskosten. Die Bahn müsse bis anhin dafür nichts bezahlen.
Laut Nationalrat Jermann braucht die Bahn für die Güterverlagerung neue Trassees. «Ohne Wisenbergtunnel kann der Bahnverkehr nicht optimiert werden.» Er bezeichnete die LSVA als eine «Milchkuh». Hier bestehe Handlungsbedarf, damit die Gelder auch eingesetzt würden. Er habe sich in Bern dafür eingesetzt, dass die Kantonsstrasse nach Delsberg in eine Bundesstrasse umgewandelt werde. Nach der Fertigstellung der Transjurane werde der Verkehr auf dieser Strecke erheblich zunehmen. Es sei nicht sinnvoll, dass die Kantone diese Strasse unterhalten. Er zeigte sich zuversichtlich, dass bis 2008 das Anliegen erfüllt sein wird.
Ulrich Landolt verlangt vom Kanton, dass er die eingesparten Gelder in den Öffentlichen Verkehr umlagert. Mit «einem kleinen Ausbau» könnte die Bahn nach Laufen im Viertelstundentakt fahren.
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