«Der nächste Schritt nach der Eisenbahn»

Basellandschaftliche Zeitung vom 4. November 2006 – Seite 11

Verlagerung
Dank der Swissmetro hätte die Eisenbahn mehr Kapazitäten für den Güterverkehr, ist Jermann überzeugt

Wieso engagieren Sie sich für die Swissmetro?
Jermann: Mich stört immer, wenn ich von der «Eisenbahn» lese. Die Eisenbahn wurde vor 100 Jahren erfunden. Und noch heute investieren wir Milliarden von Franken in die Neat. Dabei gäbe es viel fortgeschrittenere Technologien. Es fasziniert mich, so etwas wie die Swissmetro auf die Schiene zu bringen. Die Schweizer Wirtschaft lebt von Innovation und von Weiterentwicklungen. Die Swissmetro ist keine Spinnerei, sie ist machbar.
Was versprechen Sie sich von der Swissmetro?
Jermann: Man könnte die Verkehrsströme entflechten: Die Swissmetro würde bei der Eisenbahn Kapazitäten freimachen für den Güterverkehr. Dass die Güter auf die Bahn müssen, da gibts kein Vorbeikommen. Für 2007 hat sich der Bund eine Verlagerung von einem, Prozent von der Strasse auf die Bahn zum Ziel gesetzt. Das ist soviel wie nichts. Das zeigt auch ein wenig die Kopflosigkeit unserer Verkehrspolitik und des Bundesrats. Der Verkehr auf dem Schienennetz ist bis auf die letzte Minute ausgereizt. Die Swissmetro ist der nächste Schritt nach der Eisenbahn.
Der Bundesrat scheint sich da noch nicht so sicher.
Jermann: Der Bundesrat ist der Ansicht, die Swissmetro pressiere nicht. Er hat drei Vorstösse zur Swissmetro abgelehnt. Pierre Triponez fordert, dass ein Prozent der Steuereinnahmen in das Projekt Swissmetro investiert wird. Mein Postulat fordert den Bau der Strecke Basel–Zürich, und Pascal Bruderer verlangt, dass die Swissmetro in den Verkehrsplan eingebettet wird. Wir werden unsere Vorstösse auch im Nationalrat nicht durchbringen, aber wir wollen, dass darüber diskutiert wird. Verkehrsminister Moritz Leuenberger sitzt eigentlich mit uns im Boot, aber er spürt auch den Druck jener Leute, die meinen, die Swissmetro brauche es nicht.
Auch der ehemalige SBB-Chef Weibel hatte kein Gehör für die Swissmetro.
Die SBB sehen in der Swissmetro eine Konkurrenz. Benedikt Weibel hat das Projekt weit von sich gewiesen. Vielleicht kommen wir mit dem neuen Bahnchef besser ins Gespräch.
Wieso übernehmen nicht gleich die SBB den Betrieb der Swissmetro?
Jermann: Wir sind überzeugt, dass das Projekt mit privater Initiative schneller zu realisieren ist als mit einer Bundesstelle.
Wie ernst ist es Ihnen mit Ihrem Engagement für die Swissmetro?
Jermann: Die ETH macht auch mit, also kann die Idee einer Swissmetro so dumm nicht sein. Der Verwaltungsrat der Swissmetro AG trifft sich relativ häufig zu Sitzungen. Das Mandat bringt mir auch nichts ein, der ganze Verwaltungsrat arbeitet ehrenamtlich. Wir erhalten keine Wegentschädigung, von Sitzungsgeldern ganz zu schweigen. Wir haben viele Unterlagen zu studieren. Aber es macht Spass. Es ist etwas Neues. Und es ist eine Idee, von der ich überzeugt bin. Mein Grossvater hat immer gesagt: «Wir werden noch erleben, wie der Mensch auf den Mond geht.» Und er hat die erste Mondlandung tatsächlich miterlebt. Hätte die Generation vor meinem Grossvater vom Mondflug gesprochen, hätte man gesagt: «Gohts no?». Wir sagen jetzt halt: «Wir bauen eine Bahn unter der Schweiz hindurch».
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